Einleitung und Vorgeschichte
So ungefähr sieht ein normaler (nicht gerade billiger) Bürostuhl heutzutage aus. Er hat ein Fußkreuz mit Rollen und eine Gasdruckfeder zur stufenlosen Höhenverstellung und meist noch weitere Verstellmöglichkeiten für Rückenlehne usw.:
Jedoch haben die Biester (selbst wenn sie teuer waren) ihre Tücken. Z.B. funktioniert irgendwann die Gasdruckfeder nicht mehr und man sitzt unten am Boden. Oder der Hebel zum Hoch- und Runterstellen läßt sich nicht mehr richtig betätigen, undsoweiter undsoweiter! Was dann besonders ärgerlich ist, wenn es sich um ein schönes Stück handelt, bei dem die Polsterung und der sonstige Aufbau noch einwandfrei ist - und eigentlich ist es nur eine ‘Kleinigkeit’ die kaputt ist. Dann kann man gleich den ganzen schönen, bequemen und/oder teuren Stuhl wegwerfen. - Kann man? Nicht unbedingt! Ich würde so ein kaputtes Ding erst mal aufheben. Vielleicht läßt es sich noch zu was gebrauchen!
Z.B. hatten wir Jahrzehntelang, kann man sagen, einen wunderbar bequemen (und natürlich sauteuren) Bürostuhl aus dem Architekturbüro von Barbaras Vater (der dort auch schon etliche Jahre auf dem Buckel hatte und dort sogar mal neu bezogen wurde). Ein Stuhl von einer einfachen, eleganten, bequemen und soliden Machart, wie man sie leider schon seit vielen Jahren nirgends mehr erhält (man kriegt nur noch diese unförmigen Scheusale). Jedoch war bei dem schönen Teil die Gasdruckfeder mittlerweile kaputt. Wir besorgten uns irgendwelche Schellen, die wir um die fuck-Gasdruckfeder bastelten, damit die Höhe konstant blieb. Und so funktionierte das wunderbare Ding einwandfrei, bis es allmählich immer mehr zerfledderte - und dann doch noch leider irgendwann (2008) was gebrochen war, sodaß man bzw. frau auf dem Ding obendrauf rumschaukelte. Schweren Herzens haben wir uns dann von dem guten Teil endgültig getrennt. (Nun besitzt Barbara stattdessen einen teuren, und hoffentlich stabilen, High-Tech-Bürostuhl mit allen Schikanen.).
[Anmerkung: Meiner Ansicht nach wäre solch ein ‘einfacher’ Bürostuhl, wie er auf dem Foto unten abgebildet ist, der Renner! Dazu müßte man noch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen: Weg mit der gottverdammten Gasdruckfeder und stattdessen einen stabilen Ständer angebracht auf einer ultrastabilen Unterkonstruktion, der sich rein mechanisch in der Höhe 5x2cm-Weise durch Durchstecken eines dicken Stahlstiftes durch die senkrechte Mittelstange im Fußkreuz verstellen läßt. - Weg auch mit dem gesamten sonstigen Gefurze. Der Stuhl sollte einfach nur bequem und wirklich stabil sein, sonst nix!]

Vor einiger Zeit hatte ich so ein kaputtes neumodisches (zugegeben nicht sehr teueres) Scheißding monatelang im Keller rumstehen, und konnte und konnte mich nicht entscheiden, es wegzuschmeißen:

Bei ihm war die ganze (schwarzlackierte) Platte unter dem Sitz eingebrochen. Es hatte einige Zeit gedauert, bis ich dahinter kam, warum ich auf dem Stuhl nicht mehr richtig sitzen konnte, sondern stattdessen unbequem rumschaukelte. Schließlich entdeckte ich das Problem:


Glücklicherweise hatte ich einen (ähnlichen) Ersatzstuhl. Nach einiger Zeit saß ich auf diesem immer tiefer, es war aber die höchste Höhe eingestellt. - Gut, daran hatte ich mich dann langsam gewöhnt. Schaute also eher auf meine Schreibtischplatte von unten hoch statt in angemessenem Abstand von oben runter. Irgendwann schaukelte ich hin und her und das Ding ließ sich nicht richtig rollen. Ich mußte mit dem ganzen Stuhl hüpfen, wenn ich an eine andere Stelle wollte. Genaueres Anschauen: alle Schrauben waren fest gezogen, nix wackelte. So und jetzt? Irgendwann kam ich hinter die Tücke dieser Fehlkonstruktion:

Wie man sieht, schwebt das Fußkreuz über dem Mittelteil. D.h. das Fußkreuz hat sich immer weiter am senkrechten Mittelteil (in dem normalerweise die Gasdruckfeder ist) hochgeschoben. Man konnte das Fußkreuz auch nicht mit einem Gummihammer nach unten zurückklobben - oder nur sehr schwer. Im Übrigen hätte es auf die Dauer eh nix genutzt. Das Fußkreuz als solches kann man nicht mehr gebrauchen! Vielleicht noch die Rollen, falls sie sich losschrauben lassen. Der Konstrukteur, der sich so eine Lösung hat einfallen lassen (daß das Mittelteil nicht bombenfest mit dem Fußkreuz verankert ist) gehört gedroschen! - So, und jetzt den an und für sich immer noch sehr gut erhaltenen Bürostuhl wegwerfen und einen neuen kaufen? - Diesen Gedanken erwog ich ernsthaft - und wollte schon in einer Bürostuhlfabrik einen neuen für 100 € bestellen. Doch da kam mir eine Idee. Ich hatte doch das kaputtene Sauding im Keller rumstehen. Vielleicht könnte ich dessen Fußkreuz noch benutzen? - Gesagt - Getan. - Und tatsächlich es klappte auf Anhieb!
Man erkennt hier die Druckstellen, die das Mittelteil auf dem Teppich hinterlassen hat. Glücklicherweise hat er es noch halbwegs überlebt:

Nun zum eigentlichen Transplantationsvorgang
Vorneweg ist natürlich klar: wie bei jeder Organtransplantation müssen die Werte von Organspender und Organempfänger übereinstimmen. Ich hatte Glück gehabt, denn bei mir stimmten die Werte offenbar sofort und umstandslos zusammen. Inwieweit das auch sonst noch machbar ist, kann ich nicht berurteilen. Hier ist lediglich ein gangbarer Weg gezeigt.
Zunächst muß der Stuhl umgedreht werden, so daß das Fußkreuz nach oben kommt. Wie man sieht, befindet sich eine Art Stahl-Klammer in der Mitte des Fußkreuzes am Ende der Gasdruckfeder. Sie arrettiert das Fußkreuz am Rest des Stuhles.

Die Klammer ist (prinzipiell) so konstruiert, daß sie an einer Seite (hier die Vorderseite) unten eine breite Öffnung hat, die auf das Ende der Gasdruckfeder in eine Rille geschoben wird. Desweiteren dient der obere Aufbau dazu, die Klammer anzudrücken, daß sie sich nicht mehr von selbst lösen kann. Deshalb muß man das obere Teil erst mal lockern, wenn man das Fußkreuz abmontieren will. (Wird alles noch genauer gezeigt.)

Hier versuche ich also die Klammer (die übrigens nicht identisch mit der auf dem kleinen Bild ist, sie stammt von dem anderen, dem organspendenden Stuhl) mit einem Schraubenzieher zu lösen, indem ich das Stahlblech mit dem Schraubenzieher hochbiege. Allerdings handelt es sich dabei um einen Flohzirkus - in einem hohen Bogen springt die Klammer irgendwo hin. Vielleicht sollte man gleichzeitig eine Hand über die Klammer halten, denn die Sucherei nach dem kleinen Ding kann stressig sein..

Hier sieht man deutlich die Rille am Ende der Gasdruckfeder, in welche die Klammer reingeschoben ist, um den Fuß am Stuhl zu halten. Unterhalb der Rille ist noch eine Unterlegscheibe:

Die Unterlegscheibe ist eine Spezialität dieses zu reparierenden Stuhles, bei dem anderen war sie (meines Wissens) nicht vorhanden. Ich benutze logischerweise das spezifische Material der Gasdruckfeder desjenigen Stuhles, der repariert werden soll.

Nach dem Ablösen der Stahlklammer kann man das Fußkreuz mit seinem mittleren Hohlraum ganz leicht von der Gasdruckfeder abziehen. Doch jetzt gilt es aufzupassen: Innendrin befindet sich ein kleines Kugellager und einiges Sonstige Drumherum. Erstens können diese Dinger lose da drin in dem Hohlraum sein und man sollte a) achtpassen, daß nix verloren geht oder (wegen Schmier-Fett) drin bleibt und b) in welcher Reihenfolge die Dinger da ankommen. Zweitens kann es auch sein, daß diese Dinger fest an der Stange der Gasdruckfeder angebracht sind, dann besteht allerdings kein Problem, was man natürlich vorher nicht weiß.
1. Fall: Hier sieht man das Kugellager mit seinen sonstigen Einzelteilen in Reihenfolge. Das linke Gummiteil schließt die Gasdruckfeder nach oben ab (vermutlich Staubschutz).

2. Fall: Hier sieht man das Kugellager mit seinen speziellen Unterlegscheiben an dem Ende der Gasdruckfeder fest integriert. Ganz unten sieht man übrigens den Gummipfropfen:
Genaueres zum Fall 1, wenn ich den Stuhl wieder zusammenbauen will, d.h. das Fußkreuz anbringen will:
1. muß der Gummipfropfen auf die Stange

2. kommt eine einfache Unterlegscheibe

3. Spezialunterlegscheibe für das Kugellager mit der blanken Rille nach oben, denn in dieser Rille bewegen sich die Kugeln des Kugellagers:

4. Kugellager einführen

5. zweite Spezialunterlegscheibe - diesmal mit der blanken Rille nach unten

So sieht das dann also zum Schluß aus, bevor das Fußkreuz draufgestülpt wird:

Hier nun das ‘neue’ Fußkreuz:

Bevor die Klammer als krönender Abschluß auf der Gasdruckfeder in dem ‘neuen’ Fußkreuz befestigt wird, um dasselbe am Stuhl fest sitzend zu machen, muß diese Stahl-Klammer mit einer Zange zusammengequetscht werden, damit der obere Teil der Klammer den unteren Teil in der Rille der Gasdruckfeder festhält
Transplantation gelungen!
Werkzeug:

|